Die Entwicklung der Brustimplantate von der ersten Idee bis heute

Ein historischer Überblick von Dr. med. Friedrich-Wilhelm von Hesler.

In der Geschichte der Menschheit spielten die Form und die Größe der weiblichen Brust schon immer eine bedeutende Rolle. Nicht zu jeder Zeit und nicht in jeder Kultur allerdings galt eine große Brust als Schönheitsideal. Als Beispiele hierfür sind etwa die Antike, die Zeit des Jugendstils oder aber große Teile des asiatischen Raumes (Japan bzw. China) zu nennen. Schon Ende des 19. Jahrhunderts kamen jedoch Frauen mit dem Wunsch nach größerem Brustvolumen zu Ärzten, die nach Mitteln zur Vergrößerung suchten. Heute haben wir Brustkissen mit einer stabilen Hülle aus Silikon und gefüllt mit hochvernetztem Silikongel, und damit ein sicheres Implantat für die Brustvergrößerung gefunden. Bis dahin war es jedoch ein steiniger Weg - besonders für die betroffenen Frauen.

1889 begann Robert Gersuny mit der Injektion von Paraffin. Hierbei kam es jedoch zu Abstoßungen und Infektionen. 1895 experimentierte Vinzenz Cerny mit der Verpflanzung von Lipomen von anderen Körperstellen in die Brust. Dabei handelte es sich zwar um körpereigenes Gewebe, doch eine ausreichende Durchblutung blieb aus. Folge war, dass die Fettbrocken abstarben und harte Knochen bildeten.

Materialienexperimente

1930 füllte Schwarzmann Glaskugeln in die Brust ein, die wiederum abgestoßen wurden und sich zusätzlich hart und unnatürlich anfühlten. Auch mit anderen Materialien wie Elfenbein, Rinderknorpel und Wolle wurde experimentiert, mit meist verheerenden Resultaten.

1946 begannen verschiedene Gruppen mit dem Einspritzen unterschiedlichster Flüssigkeiten, die jedoch auch alle nicht den gewünschten dauerhaften Erfolg brachten. 1951 wurden die ersten festen Implantate eingesetzt, darunter z.B. Ivalon®-Schwämme, die eine besondere Verträglichkeit zeigten.

Ebenfalls in den 1950er Jahren wurden bei geschätzten 50.000 Frauen Einspritzungen vorgenommen, die nach einer Latenzzeit von mehreren Jahren zu massiven Verhärtungen führten: In Einzelfällen wurde sogar die Amputation der Brust erforderlich.

1962 entwickelte der Chemiekonzern Dow Corning die ersten mit Silikongel gefüllten Brustimplantate, die in unterschiedlichen Formen und Größen verfügbar waren. Durch diesen großen Konzern wurde erstmals eine gute Herstellungsqualität gewährleistet, die zu einer großen Sicherheit für die Patientinnen führte. Th. Cronin entwickelte standardisierte Implantate in Tropfenform, die jedoch durch die Möglichkeit des Verdrehens um 180 Grad bald wieder verlassen wurde.

Implantate als Wasserbombe

Kurz danach kamen auch Implantate mit einer Silikonhülle und einer Füllung mit Kochsalzlösungen auf den Markt. Damals wie heute wurden mit diesen Kochsalz-Implantaten selten befriedigende Ergebnisse erzielt: Die Kissen fühlen sich hart an und glucksen ähnlich wie „Wasserbomben“ der Kinder.

In den 1970er und 1980er Jahren wurden immer weiter verbesserte Implantate besonders durch Dow Corning mit unterschiedlichen Oberflächen, Formen und Profilen (flach oder hoch) angeboten.

Das immer gleich bleibende Problem stellte jedoch die sogenannte Kapselfibrose dar. Dabei handelt es sich um eine Einengung des Implantates durch körpereigenes Narbengewebe, das zur Schrumpfung neigt. Dabei fühlt sich die Brust mit dem Implantat zum Teil extrem hart und kalt an. Zusätzlich kann diese Situation auch schmerzhaft sein. In den 70er und 80er Jahren trat dieses Phänomen in ca. 50 Prozent der Fälle in unterschiedlicher Ausprägung auf. Diese Implantate der 1. Generation waren jedoch sehr haltbar mit einer kräftigen Hülle und festem Gel, das sich jedoch trotzdem weich und natürlich anfühlte.

Durch die Verhärtung des Implantates stellten Firmen dann jedoch ab Ende der 70er Jahre „weichere“ Implantate der 2. Generation her. Diese hatten eine dünnere Silikonhülle und relativ flüssige Gele, die sich in der Hand noch weicher und natürlicher anfühlten. Leider waren die Materialeigenschaften so schlecht, dass die Implantate nur ca. sieben bis neun Jahre haltbar waren, da die dünne Hülle zu wenig Stabilität zeigte. Um das aufzufangen, wurde zum Teil eine zweite Silikonhülle um das Implantat gelegt. Die Rate der Kapselfibrose besserte sich jedoch nicht, nur die Haltbarkeit war reduziert. Es kam zum „Silikon-Desaster“ der 90er Jahre mit Hunderten von zerstörten Implantaten weltweit. Die Herstellung der „weichen“ Implantate war von Anfang an ein Denkfehler: Die Implantate waren ja gar nicht hart geworden, sondern nur durch die kontrakte Narbe eingeengt, d.h. es fehlte lediglich am Platz für die weiterhin weichen Kissen.

Als man das realisierte, kam ein völliges Umdenken in der Herstellung.



Lesen Sie über den Durchbruch mit der 3. Generation von Implantaten im zweiten Teil dieses Essays.

(erstmals veröffentlicht in: Sophien-Journal, 1/2010, Sophien-Klinik GmbH, Hannover)



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